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2,5 Millionen Euro für die Erforschung von Gehirn- und Rückenmarks-Erkrankungen des Hundes

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert an der TiHo mit rund 2,5 Millionen Euro ein neues Forschungsprogramm zu neurologischen Erkrankungen des Hundes.

Die neue DFG-Forschergruppe „Neurodegeneration und -regeneration bei ZNS-Erkrankungen des Hundes“ wurde unter der Federführung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) initiiert.

Sprecher der Forschergruppe ist Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, PhD, Institut für Pathologie der TiHo, sein Stellvertreter ist Professor Dr. Wolfgang Löscher aus dem Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der TiHo. Nach einem strengen Auswahlverfahren hat die DFG den disziplinübergreifenden Antrag zunächst für drei Jahre bewilligt. „Mit der neu eingerichteten DFG-Forschergruppe unterstreicht die Hochschule ihre Spitzenposition in der Tiermedizin.

Sie leistet einen wichtigen Beitrag, medizinische Behandlungen von Hunden bei bestimmten Krankheitsbildern fortzuentwickeln. Davon haben Tiere und Menschen einen unmittelbaren Nutzen“, sagte der Niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann.
In Deutschland leben 5,3 Millionen Hunde in 13,4 Prozent der Haushalte. Hierzu gehören Familienhunde wie auch Blinden-, Assistenz- und Begleithunde.

Neurologische Probleme bei Hunden treten relativ häufig auf, was einen großen Wissens-, Forschungs- und Therapiebedarf zur Folge hat. Besonders Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks stellen bezüglich Diagnostik und Therapie eine große Herausforderung an die Tiermedizin dar. Im

Vordergrund stehen bei der DFG-Forschergruppe Fragen zur Krankheitsentstehung, deren Beantwortung die Entwicklung neuer Therapieansätze ermöglichen soll. Schwerpunktmäßig werden drei ausgewählte, häufig beim Hund vorkommende Erkrankungen untersucht: Staupe, Epilepsie und traumatische Rückenmarkserkrankungen.

Staupe beim Hund

Staupe ist eine Virusinfektion, die zu Gehirnveränderungen bei den betroffenen Tieren führen kann und schwer zu heilen ist. Während des Krankheitsverlaufs treten erst hohes Fieber und Mattheit auf. Eventuell können auch Durchfall und Erbrechen oder Atemwegssymptome hinzukommen.

Im weiteren Verlauf der Krankheit können dann Veränderungen des zentralen Nervensystems (ZNS) auftreten. In vielen Fällen endet die Erkrankung mit dem Tod. Staupe wird durch das kanine Staupevirus verursacht und ist bei Hunden die häufigste infektiöse Erkrankung des ZNS.

In vielen Punkten ähnelt die Erkrankung der Multiplen Sklerose des Menschen, so dass die Erkenntnisse auch der humanmedizinischen Forschung zugute kommen.
Traumatische Rückenmarkserkrankungen

Rückenmarksverletzungen beim Hund sind ähnlich wie beim Menschen häufig eine Folge von Bandscheibenvorfällen oder Unfällen. Sie gehören beim Hund zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Trotz Fortschritte in Diagnostik und Therapie ist die Behandlung in vielen Fällen schwierig.

Da bislang nur wenige Studien zu den krankhaften Veränderungen des Rückenmarks größerer Säugetiere vorliegen, basiert das Verständnis des Krankheitsverlaufs vorwiegend auf Kenntnissen, die an Nagern gewonnen wurden. Dies macht eine umfassende Untersuchung der morphologischen und molekularen Veränderungen bei natürlich vorkommenden Rückenmarkserkrankungen bei Hunden erforderlich. Ziel ist es, eine Therapie zu entwickeln, die diese Erkrankungen mit Hilfe von Zell-Transplantationen heilen kann.

Epileptische Erkrankung beim Hund

Auch epileptische Erkrankungen weisen Gemeinsamkeiten bei Hund und Mensch auf. Sie gehören zu den häufigsten chronisch-neurologischen Erkrankungen und entwickeln sich oft in Folge von Verletzungen, Entzündungen oder Tumoren des Gehirns. Für Epilepsien, die aus einer Durchblutungsstörung im Gehirn hervorgegangen sind, möchte die DFG-Forschergruppe eine präventive, medikamentöse Therapie entwickeln. Zudem besteht ein hoher Bedarf an neuen Therapien, da rund 50 Prozent der Epilepsie-Patienten eine Pharmakoresistenz aufweisen, die verabreichten Medikamente also keine Wirkung zeigen.

Ziel ist es, eine neue Therapiemethode zu entwickeln, die auf der Transplantation von Neuronen oder neuronalen Vorläuferzellen beruht.

Die Forschergruppe ist interdisziplinär mit international ausgewiesenen Experten aus der Tiermedizin, Biologie und Humanmedizin besetzt. Diese Zusammensetzung ermöglicht eine weltweit einmalige vergleichende Untersuchung von Krankheiten.

Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, Sprecher der Forschergruppe hofft: „Die erfolgreiche Arbeit der Forschergruppe könnte die Basis für die Etablierung eines europäischen Netzwerkes zur Erforschung der Erkrankungen des Nervensystems beim Hund darstellen. Damit verbunden wäre sicherlich auch ein globales Alleinstellungsmerkmal und eine Stärkung der Exzellenzforschung an der TiHo.“

Positiv hervorgehoben wurden bei der Begutachtung durch die DFG die umfangreichen Vorarbeiten der einzelnen Arbeitsgruppen auf dem Gebiet der kaninen Neurowissenschaften. Mehrere Arbeitsgruppen der Forschergruppe sind Mitglied des Zentrums für Systemische Neurowissenschaften (ZSN) in Hannover.

Ein Grund für die positive Bewertung der Forschergruppe durch die DFG war sicherlich auch die Tatsache, dass die Neurowissenschaften schon seit einigen Jahren ein ausgewiesener Forschungsschwerpunkt an der TiHo sind und bereits seit einigen Jahren der PhD-Studiengang „Systemische Neurowissenschaften“ zusammen mit der MHH, der Leibniz Universität und der Hochschule für Musik und Theater Hannover angeboten wird.

 

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