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TV-Tipp: Universum ist am 15. Mai 2007 "Allein unter Wölfen"

Österreichische Biologin gewann Vertrauen eines Wolfsrudels. ORF 2 zeigt den als Koproduktion von ORF und ZDF realisierten Film am Dienstag, dem 15. Mai 2007, um 20.15

Wölfe gelten als die großen Jäger des Nordens. Bisher glaubte man, ihre Verbreitungsgebiete gut zu kennen. Doch in der unberührten Wildnis an der Westküste Kanadas leben Wölfe, die kaum Kontakt mit Menschen hatten.

Die österreichische Biologin Gudrun Pflüger nahm die Herausforderung an, deren Spuren in die Küstenwälder British Columbias zu folgen. Schritt für Schritt kämpft sie sich durch unwegsame Wälder, Seenregionen und Fjorde an die Reviere der Wölfe heran, um ihnen nach wochenlangen Strapazen plötzlich von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.

Behutsam gelingt es Gudrun Pflüger, in der "Universum"-Dokumentation "Allein unter Wölfen", das Vertrauen eines Wolfrudels und seiner Welpen zu gewinnen.

Darüber hinaus gelingt es Regisseur und Kameramann Richard Matthews, neben der spannenden Forschungsexpedition auch die einzigartige Landschaftskulisse British Columbias mit ihren Küstenregenwäldern in all ihrer Schönheit zu dokumentieren.

ORF 2 zeigt den als Koproduktion von ORF und ZDF realisierten Film am Dienstag, dem 15. Mai 2007, um 20.15 Uhr in Stereo und im Format 16:9.

In den endlosen mit Schnee und Eis bedeckten Gebirgsketten der Coastal Mountains, haben die Gletscher über Jahrmillionen tiefe Täler und Fjorde geschliffen. Die Küste British Columbias wird gesäumt von dichten Regenwäldern in einer einzigartigen Naturlandschaft. In diesem sehr schwer zugänglichen Gebiet leben - unbehelligt von Menschen - bis zu 2.000 Wölfe. Untersuchungen belegten, dass diese Küstenwölfe eine unglaubliche genetische Vielfalt aufweisen.

Sie sind in dem riesigen Gebiet aber schwer zu finden. Gudrun Pflüger ist den Spuren dieser Küstenwölfe jahrelang gefolgt, doch nahe gekommen ist die Biologin den Tieren nie.

Bei ihrer Forschungsarbeit hat sie Erstaunliches dokumentiert: Wenn im Herbst die Lachse die Flüsse zu ihren Laichgründen stromaufwärts ziehen, locken die Fische nicht nur Bären an die Ufer. Aus den Tiefen der Küstenregenwälder kommen dann auch die Wölfe, um auf Lachsfang zu gehen. Am Ufer der Flüsse sind immer wieder Fährten von Wölfen und Bären zu entdecken.

Für eine erfahrene Fährtenleserin wie Gudrun Pflüger dienen diese Spuren als wichtige Wegweiser. Sie helfen ihr einzuschätzen, an welchen Plätzen sie mit dem Auftauchen von Wölfen rechnen kann. Wenn sich dann wirklich ein Wolf an einem solchen Ort zeigt, schnappt ihre installierte Fotofalle zu.

Gudrun Pflügers Feldstudie konnte in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftern der Naturschutzorganisation "Raincoast Conservation Society" noch ein weiteres Geheimnis der scheuen Raubtiere lüften. Die Wölfe leben nicht nur in den Regenwäldern am Festland, sondern auch auf den vorgelagerten Inseln. Sie sind gute Schwimmer und überwinden zwischen den einzelnen Inseln große Distanzen, oft mehr als zehn Kilometer. Für die routinierte Feldbiologin beginnt zwischen den Inseln eine wahre Abenteuerexpedition.

Gudrun Pflügers Zielgebiet liegt etwa 1.000 Kilometer nördlich von Vancouver an der Westküste Kanadas - zwischen zahllosen Fjorden und einem Gewirr vorgelagerter Inseln. Sie will über die seltenen Wölfe mehr erfahren, vor allem deren Verbreitungsgebiet und Sozialverhalten im Rudel untersuchen.

Gudrun Pflüger: "Wölfe sind hochsoziale Tiere. So mancher Verhaltensforscher sieht in ihrem Sozialleben sogar mehr Parallelen zu uns Menschen als in dem der Primaten. Interaktionen zwischen Wölfen zu beobachten, gehört für mich zum spannendsten, was mir das Leben in der Natur zu bieten hat."

Die Expedition auf der Fährte von Raubtieren, in einem Gebiet, das fast so groß ist wie die Schweiz, gestaltet sich aber wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Als mehrfache Weltmeisterin im Berglauf und ehemaliges Mitglied der österreichischen Langlaufnationalmannschaft ist Gudrun Pflüger bestens auf die körperliche Herausforderung vorbereitet. Doch das unwegsame Gelände und die ewige Nässe machen die Feldarbeit nicht einfach.

Den Fortschritt ihrer Arbeit, aber auch die Misserfolge dokumentiert sie in ihrem Videotagebuch. Mit Hilfe von Fotofallen wird den Wölfen an mehreren Plätzen gleichzeitig nachgespürt. Meist umsonst. Nach etlichen Fehlschlägen will Pflüger die Expedition fast schon aufgeben, als sie auf einer entlegenen Insel ein Rudel Wölfe entdeckt.

Diese Wölfe waren noch nie Menschen begegnet. Gudrun Pflügers Traum wird endlich wahr, von Angesicht zu Angesicht steht sie ihren Wölfen gegenüber. Und das fast Unwahrscheinliche geschieht: Das Wolfsrudel akzeptiert sie, als wäre sie eine von ihnen. Ohne Scheu nähern sich zuerst die beiden Alphawölfe. Nach diesem ersten Kontakt kommen auch die anderen neugierig näher. Für das Rudel scheint sofort klar zu sein: Gudrun Pflüger bringt keine Gefahr, nur uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

Mehrere Stunden lang kann sie die Gesellschaft ihrer Wölfe genießen. Während die Alphatiere es ihr gleichtun und meist ruhig in der Wiese liegen, tollen die Jüngsten des Rudels verspielt um sie herum.

Fast sieht es aus, als wollten die Wölfe die Biologin nicht gehen lassen. Erst die Nacht zwingt Gudrun Pflüger dann zum Aufbruch. Doch ihr langsamer Rückzug wird noch lange durch die für sie "schönste Musik der Natur" begleitet - Wolfsgeheul.

Wochen später, wieder daheim, bekamen die Expedition und die außergewöhnliche Erfahrung mit den Wölfen für die Biologin eine ganz andere Bedeutung: Bei Gudrun Pflüger wurde vier Wochen nach Beendigung der Dreharbeiten ein bösartiger Gehirntumor festgestellt.

Die Begegnung mit den Wölfen ist für sie ein ganz besonderes Erlebnis. Gudrun Pflüger: "Die einheimischen Indianer an der Küste haben ein sehr schönes Sprichwort, sie sagen: Ein Wolf zeigt sich dir nur, wenn er dir etwas erzählen oder mitteilen will. Und ich denke, dass in meinem Fall mir diese Wölfe ihre Kraft und Ausdauer mitgeben wollten, für meine neue Reise, die ich jetzt vor mir habe. Und Wochen und Monate, während auch teilweise sehr harter Zeiten, habe ich unzählige Male an dieses Zusammentreffen gedacht und es hat mir irrsinnig viel Kraft gegeben."

Ihre Begegnung mit den Wölfen hat ihr geholfen, ihre Krankheit mit allen Folgen zu ertragen. Inzwischen geht es Gudrun Pflüger wieder besser. Und auch dank ihrer Forschungsergebnisse ist es der Naturschutzorganisation "Raincoast Conservation Society" gelungen, gezielte Maßnahmen zum Schutz der Küstenwölfe zu setzen.

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